Hambi ist überall!

...besonders in deinem Herzen...

Therapiehof Elbtalaue, Martina Gnodtke

 

Gerade hab ich bei der Arbeit draussen einen Pilz gefunden!

Ich war sofort gerührt, denn ich hätte nicht erwartet, dass nach der gnadenlosen Dürre in diesem Sommer, die grade bei uns besonders extrem war, es irgendein Pilz schafft, einen Fruchtkörper zu bilden. Ich war schon traurig, dass ich nach dem Sommer mit so wenig Pflanzen und Tieren nun im Herbst auch kaum Pilze zu sehen bekommen würde. Ich sagte sofort zu meinem Mann: „Pass auf, dass du ihn nicht aus Versehen umstösst, die Pilze haben es doch dieses Jahr auch so schwer!“ Dann fiel mir der krasse Gegensatz zu diesem spontanen Gefühl in mir auf und der Welt, in der, wenn es nach der Gesetzeslage geht,  nichts dagegen spricht, einen 12.000 Jahre alten Wald zu roden, ob es Sinn ergibt oder nicht.

Ich spüre die Ohnmacht über mich hereinbrechen, wenn ich daran denke, wie viele Menschen sich gerade für den Hambacher Forst einsetzen, ihre Freiheit, Unversehrtheit an Leib und Seele und sogar ihr LEBEN dafür hergeben, um den Wald zu retten.  Um den Wald zu retten? Ich glaube, die mittlerweile berühmte Aktionistin Winter hat mit ihrer spontanen Rede alles auf den Punkt gebracht, was es zu diesem Konflikt zu sagen gibt: ihr könnt gar nicht gewinnen, denn wenn der Wald zerstört wird, verlieren wir alle! Ihr könnt nicht verstehen, dass wir nicht für uns kämpfen, sondern für uns alle!

Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen…wir müssen nichts weniger als unsere Zukunft retten!

Nur, das bedrohliche Gefühl, von all dem kurzsichtigen Tun da draussen überwältigt zu werden, die Hoffnung zu verlieren, nimmt zu… den Wald werden wir vielleicht verlieren und damit viel, viel Lebensqualität, aber wir dürfen einfach nicht auch noch unsere Hoffnung verlieren!

Deswegen möchte ich euch sagen: diese Gefühle, wenn ihr sie denn habt, dass ihr Bienen heilen wollt, Wespen tränken, Pilze vorm umgetreten werden bewahren, also so scheinbar ganz, ganz winzige Dinge, um den Rest unserer gebeutelten Natur wenigstens noch ein bisschen zu beschützen! Wenn ihr diese Gefühle habt, denkt dran, dass das das Heilmittel ist, dass die Menschen um uns herum, die wie blind sind für die etwas größeren Zusammenhänge, die die Natur nicht in ihrer Lebendigkeit, in ihrer Ganzheit, in ihrer Schönheit erkennen können, die nicht sehen können, dass auch sie ein Teil davon sind, die unsere Zukunft einfach wegroden für Konsum und Gier- dass diese eine Ahnung davon bekommen, dass es da noch mehr Sinne gibt, die sie vielleicht zeitweilig verloren haben! Helft ihnen, wieder sehen zu lernen, gebt nicht auf!

Wirkt im Kleinen, zeigt eurem Nächsten, wie es ist, das fühlen zu können! Das geht nicht, wenn ihr mit der Hoffnung untergeht!

Liebt! Liebt! Liebt!

Das muss die Antwort sein! Wenn ihr vor den verdorrten Feldern oder dem gerodeten Wald steht, wenn ihr die Polizisten seht, die  schweren Maschinen, die Schlipsträger mit ihren Verträgen und den Dollarzeichen in den Augen- liebt!

Liebt die Fliege, den Grashalm, den Matsch, den Staub, den Geruch von Regen, den kleinen Pilz! Und hütet das alles, denn das bewahrt euer Herz! Und das brauchen wir alle, auch nach Hambi!

Ganz besonders nach Hambi….


Alles Liebe!

Martina